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Meister Eckhart [Anonym]: Predigt 80 (DW III)

Enthalten in:Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Ms. germ. qu. 1079
Theologische Tractate und Predigten
lfd. Nr.:15
Foliierung:177v–179r
Verfasser:Meister Eckhart [Anonym]
Bezeichnung/Überschrift:Predigt 80 (DW III)
Incipit:ET was een rick mensche die was gecleet mit pellen ...
Texttyp:Predigt
Anlass:T 20/5
Thema/Regest:Nachdem Eckhart kurz auf die Deutungsmöglichkeiten des Schriftzitats eigegangen ist, das sich gleicherweise auf die Gottheit und die Seele beziehen lässt, greift er zwei Worte des Schrifttextes heraus, die er nacheinander auslegt: Mensche und rîche. Nach einem Rückgriff auf die aristotelische Definition des Menschen, die diesen als vernunftbegabtes Wesen fasst, bezieht Eckhart den Begriff des Menschen aus der Hl. Schrift auf Gott: Das göttliche Wesen ist, wenn man es überhaupt begrifflich bestimmen kann, am treffendsten als Erkennen zu bezeichnen, das sich selbst offenbar ist und in dem die Gottheit sich selbst und alle Dinge hervorbringt. Es ist das Erkennen Gottes, aus dem die Trinität und die ganze Kreatur hervorgeht. Doch ist dieser Begriff des Erkennens zu unterscheiden. Die Seele vermag Gott nicht zu benennen, denn alle Namen Gottes entnimmt diesem ihrem eigenen, also nicht dem göttlichen Erkennen – in dem die Seele erkennt, wenn sie nicht wie Paulus gnadenhaft Gott schaut und darin allen sprachlichen Ausdruck überschreitet – ist gebunden an die Kreatur, insofern es Erkenntnis aus der Ursache, aus der bestimmten Weise oder aus der Wirkung eines Gegenstand, also immer kategoriale Erkenntnis ist. Den Kategorien und allen Begriffen jedoch ist Gott enthoben, da er über der Ursache steht, weiselos und ohne zeitliches Wirken ist. Aus diesem Grunde ist er namenlos, und der Mensch kann ihn denn auch nicht erkennend verstehen, insofern er in seinem naturhaften Erkennen immer an die Kreatur gebunden bleibt. Dies ist es, was der Liber de causis meint, wenn er betont, dass Gott über allem sei. Auch das rîche des Bibelverses ist auf Gott zu beziehen. Er ist reich, insofern er erste Ursache von allem ist, insofern er einfaltig in seinem Sein ist, insofern er überquillt und sich den Dingen mitteilt, schließlich auch, insofern er unwandelbar und vollkommen ist. Diese fünf Punkte werden im letzten Abschnitt der Predigt nochmals aufgegriffen, wobei jetzt das zentrale Interesse der Dynamik zwischen Gott und der Seele gilt. (Largier II, S. 720f.)
Bibelstellen:
  • Lc 16,19
  • Ex 3,14
  • Iac 1,17
  • Sap 11,23
Personennamen:
  • Gregor der Große
  • Paulus
  • Mose
  • Albertus Magnus
  • Jakobus der Ältere
Schlagworte:
  • Analogie
  • Gotteserkenntnis
  • Negative Theologie
Edition:Quint, J./Steer, G. (Hg.), Meister Eckhart, Die deutschen und lateinischen Werke, hg. im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Abt. I: Die deutschen Werke, Stuttgart 1936ff., DW III, 80.
Literatur:
  • Largier, N. (Hg.), Meister Eckhart, Werke, Bd. II (Deutscher Klassiker Verlag im TB 25), Frankfurt a.M. 2008, S. 720–723.
  • Libera, A. de, Introduction à la Mystique Rhénane. D'Albert le Grand à Maître Eckhart, Paris 1984, S. 260.
  • Mojsisch, B., Meister Eckhart. Analogie, Univozität und Einheit, Hamburg 1983, S. 97.
  • Quint, J./Steer, G. (Hg.), Meister Eckhart, Die deutschen und lateinischen Werke, hg. im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Abt. I: Die deutschen Werke, Stuttgart 1936ff., DW III, S. 377.
  • Seidel, K.O., 'Die St. Georgener Predigten'. Untersuchungen zur Überlieferungs- und Textgeschichte (MTU 121), Tübingen 2003, S. 27.
  • Theisen, J., Predigt und Gottesdienst. Liturgische Strukturen in den Predigten Meister Eckharts (EHS I, Bd. 1169), Frankfurt a. M./Bern 1990, S. 81–83.
  • Zum Brunn, É., La doctrine albertinienne et eckhartienne de l'homme d'après quelques textes des "Sermons allemands", in: FZPhTh 32 (1985), S. 137–143, hier S. 137.
  • Zum Brunn, É./Libera, A. de, Maître Eckhart, Métaphysique du Verbe et théologie négative, Paris 1983, S. 47f.
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Eingestellt am: 29. Mär 2010 09:14
Letzte Änderung: 28. Sep 2012 21:34
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